Diese Seite bietet Praxiswissen, Tipps und Orientierung für den Umgang Schikane, Abwertung und Mobbing am Arbeitsplatz.
Mobbing unterscheidet sich von Konflikten, wie sie in jeder Arbeitssituation entstehen. Die Ursachen von Mobbing sind vielfältig und vielschichtig. Die Persönlichkeit der betroffenen Personen spielt dabei in der Regel eine untergeordnete Rolle. Massgeblicher sind die allgemeine Betriebskultur, die Arbeitsorganisation und das Management. Eine stressreiche Arbeitsumgebung sowie Mängel im Führungsverhalten können einen respektlosen Umgang unter den Mitarbeitenden begünstigen.
Fühlen Sie sich über längere Zeit angegriffen, ausgegrenzt oder herabgewürdigt? Nehmen Sie Ihre Situation ernst und sprechen Sie mit uns darüber. Auch wenn die Kriterien für Mobbing nicht erfüllt sind, müssen Spannungen und Konflikte ernst genommen und geklärt werden – im Team und mit Unterstützung der Vorgesetzten.
Mobbing im rechtlichen Sinn liegt selten vor. Spannungen, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte hingegen sind häufig – und müssen angegangen werden, egal wie sie schlussendlich rechtlich einzuordnen sind. Schweigen, Wegschauen oder Parteinahmen im Team können Konflikte verstärken und verhärten. Je länger gewartet wird, desto schwieriger wird eine Lösung. Darum ist frühzeitiges Ansprechen entscheidend.
Es liegt in der Verantwortung als Arbeitgeber/in,
die Mitarbeitenden vor Schikanen zu schützen und
bei Mobbingvorwürfen rasch und klar zu intervenieren.
Alle Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet ein Reglement zu erarbeiten. In diesem wird festgehalten, was mit Mobbing gemeint ist. Weiter werden die im Betrieb geltenden Verhaltensgrundsätze sowie das Vorgehen, die Zuständigkeiten und die Sanktionen im Ernstfall definiert. Damit ist klar, dass schikanöses Verhalten Betrieb nicht geduldet wird und dass bei Verstössen arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen.
Mobbing ist als Phänomen schwer fassbar und die belastende Dynamik erfüllt oft die rechtlich notwendigen Kriterien für Mobbing nicht. Nichtsdestotrotz muss das Problem, das zu der schwierigen Dynamik führte, angegangen und gelöst werden.
Nehmen Sie darum Ihre Situation ernst und lassen Sie sich wenn Sie sich unfair behandelt, ausgegrenzt oder respektlos behandelt fühlen bei der externen Vertrauensstelle beraten.
Je nach Ausgangslage kann es sinnvoll sein, die andere Person direkt auf das für Sie schwierige Verhalten anzusprechen. Mit dem Ziel eine gute Lösung zu finden. Ohne der anderen Person gleich Mobbing vorzuwerfen. Das provoziert auf jeden Fall Abwehr und verhindert die Konfliktlösung.
Wenden Sie sich an Ihre vorgesetzte Person oder an die Personalabteilung und bitten Sie um eine moderierte Gesprächsvermittlung zwischen den Beteiligten. Eine Mediation oder ein Teamcoaching kann oft mehr bewirken als eine langwierige Abklärung eines Mobbingvorwurfs.
Notieren Sie sich wichtige Ereignisse (Datum, Beteiligte, Ereignisse). Das hilft bei der Klärung oder einer möglichen internen Abklärung.
Wenn sich die Situation nicht verbessert, können Sie eine Beschwerde einreichen und eine interne Untersuchung verlangen.
Eine einheitliche bzw. rechtliche Definition von Mobbing gibt es nicht. Oft wird Mobbing wie folgt beschrieben:
Schikanöse Handlungen, Kommunikationsverweigerung oder konfliktbelastete Kommunikation, mit der einzelne oder mehrere Personen direkt oder indirekt angegriffen werden.
Ziel der Handlung kann sein, das Ansehen der angegriffenen Person zu schädigen, sie zu isolieren oder auszustossen. Die angegriffene Person gerät durch die Mobbinghandlungen in eine unterlegene Position.
Die einzelne Mobbinghandlung stellt isoliert betrachtet oft kein gravierendes Vergehen dar und lässt verschiedene Interpretationen zu. Selbst für die betroffene Person ist es anfangs manchmal schwierig, Schikanen zu bemerken und zu benennen.
Im Lauf des Mobbingprozesses häufen sich die Vorfälle und Schikanen, und das Machtverhältnis verschiebt sich zuungunsten der gemobbten Person: Es bilden sich eine Täter- und eine Opferrolle heraus. Daneben gibt es im «Mobbing-System» meistens auch Mitmachende, Zuschauende und Wegschauende.
Bei der Abklärung von Mobbing werden die Vorkommnisse in ihrer Gesamtheit beurteilt. Ein wechselseitiger Eskalationsprozess zwischen den Beteiligten ohne klare Täter/innen und Opfer wird rechtlich nicht als Mobbing eingestuft. Der zugrundeliegende Konflikt muss jedoch trotzdem angegangen und gelöst werden.
Untersuchungen zeigen, dass Mobbing mehrheitlich von Vorgesetzten ausgeht (Dieter Zapf, 2004). Diese Tatsache (sogenanntes «Bossing») gründet darin, dass Vorgesetzte besonders viel Macht und Verantwortung haben. Nur schon durch ihre Position haben ihre Äusserungen und Verhaltensweisen mehr Gewicht. Sie können die Mitarbeitenden fördern und begeistern, aber auch demotivieren und ausgrenzen.
Beleidigung, Bedrohung, Blossstellung oder Belästigung von Personen über digitale Medien, d.h. Smartphones, E-Mails, Websites, Foren, Chats und Communities.
Mobbing verletzt die physische und psychische Gesundheit der betroffenen Person. Die Entwertung der Leistung, der unfaire Umgang durch die mobbende Person und der fehlende Rückhalt der Mitarbeitenden und Vorgesetzten wird als schlimme Kränkung empfunden. Und was kränkt, macht krank. Es schädigt das Selbstwertgefühl und beeinträchtigt die Arbeitsleistung. Nicht selten leidet die Produktivität des gesamten Teams.
Alle Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die körperliche und seelische Gesundheit aller Mitarbeitenden zu schützen (Art. 6 ArG). Das Bundesgericht sagt klipp und klar, dass Arbeitgeber/innen, die Mobbing nicht verhindern, ihre Fürsorgepflicht vernachlässigen (BGE 125 III 70).
Nach einem Mobbingvorwurf wollen die Betroffenen meist möglichst schnell Gras über die Sache wachsen lassen. Doch ein solcher Vorfall erschüttert das Vertrauen aller Beteiligten, nicht selten erfasst eine Abwärtsspirale das ganze Team.
Dank vermittelnden und klärenden Gesprächen im Rahmen einer Mediation können die Beteiligten begreifen, welches Verhalten die Zusammenarbeit erschwerte und das Arbeitsklima vergiftete. Die gemeinsame Reflexion ermöglicht es, das Geschehene auch gefühlsmässig beizulegen und gemeinsam einen Neustart zu wagen.